Die Stevia Pflanze, die heute in Südamerika, Ostasien und anderen Teilen der Welt zur Gewinnung von Süßstoffen angebaut wird, hört auf die lateinischen Namen Stevia Rebaudiana Bertoni bzw. Eupatorium rebaudianum. Der erste Name würdigt den Botaniker Moisés Bertoni und den Chemiker Ovidio Rebaudi, die sich beide eingehend mit Stevia befasst haben. Der zweite Name leitet sich von der weitläufigen Verwandtschaft zum europäischen Wasserdost (Eupatorium perfoliatum) ab, dem die Stevia Pflanze sehr ähnlich sieht.

Stevia Rebaudiana enthält als einzige von über 200 Stevia Arten die geschmacksintensiven Steviolglykoside, die der Stevia Pflanze Beinamen wie „Süßkraut“ oder „süßes Honigkraut“ eingebracht haben. Die Guarani- und Mato-Grosso-Indianer in Paraguay, die Stevia seit Jahrhunderten nutzen, nennen die Stevia Pflanze Caa-Hee (Ca´-A-He`-Ey, Ka hé), das heißt wörtlich übersetzt „Honigblatt“.

Ein deutschstämmiger Botaniker beschrieb eine einzige weitere Art, deren Blätter ebenfalls leicht süß schmecken. Jedoch reicht die Süßkraft von Stevia aristata – so der wissenschaftliche Name der nahen Stevia Verwandten – bei weitem nicht an die von Stevia Rebaudiana heran.

Stevia Herkunft und Verbreitung

Die Gattung Stevia findet man ursprünglich nur auf dem amerikanischen Kontinent und dort auch nur in einem Gebiet, das von den südlichen USA bis nach Zentral-Argentinien hinein reicht. Das Verbreitungsgebiet von Stevia Rebaudiana beschränkt sich auf eine Fläche zwischen dem 23. südlichen Breiten- und dem 56. westlichen Längengrad. Dieser Teil des amerikanischen Kontinents umfasst die Hochflächen Paraguays, Brasiliens und Argentiniens. Das Klima in diesem Teil der Erde ist semihumid, also mäßig-feucht mit einem Jahresniederschlag von 1500 bis 1800 mm, die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei 21°C. Die Böden im Hochland von Amambai, das als Ursprungsgebiet für das süßeste Mitglied der Stevia Familie beschrieben wird, sind sauer, sandig und tonhaltig. Tatsächlich gelten die Flächen im Grenzgebiet zwischen Brasilien und Paraguay als unfruchtbar.

Stevia Botanik und Potenzial

Stevia Rebaudiana ist ein krautiges Staudengewächs, das unter geeigneten Bedingungen mehrjährig Triebe aus einem kräftigen Wurzelstock hervor bringt. Stevia Triebe wachsen bis zu einem Meter hoch, die leicht holzigen Stengel sind gegenständig mit 2-3 Zentimeter langen Lanzettblättchen besetzt. Die Stevia Wurzeln gründen flach und versorgen die Pflanze weitgehend unverzweigt mit Wasser und Nährstoffen.

Stevia PflanzeDer Blütenstand setzt sich aus mehreren weißen, endständigen Blütenköpfchen zusammen, die ihrerseits wieder aus 2 bis 6 einzelnen Röhrenblüten bestehen. Man spricht von einer Trugdolde, das heißt, die Hauptblüte, die sich aus der Endknospe des Hauptriebes entwickelt, ist von einer Reihe von Nebenblüten aus den Seitentrieben umkränzt.

Die Steviolglykoside oder Stevioside, die der Pflanze ihre Süßkraft verleihen, finden sich nur in den Blättern. Mit einem Steviosid-Gehalt von bis zu 7 Prozent ist die Stevia Pflanze jedem Zuckerrohr- oder Zuckerrübenansatz weit überlegen.

Tatsächlich braucht man für ein Stevia-Feld, das den gleichen Ertrag an verwertbarer Süße liefern soll wie ein Zuckerrübenacker, nur etwa ein Zehntel der Anbaufläche.

Stevia Wachstum und Blüte

Die Stevia Pflanze ist an die Verhältnisse in ihrer Heimat angepasst, das heißt, sie verträgt keinen Bodenfrost, liebt das Licht und reagiert empfindlich auf Überdüngung. Im Winter wirft Stevia ihre süßen Blätter ab, neue Triebe entwickeln sich erst, wenn längere Tage und mildere Temperaturen das nächste Frühjahr ankündigen.

Die Vermehrung und damit der Fortbestand der Art ist sowohl geschlechtlich als auch ungeschlechtlich gesichert, die Hauptblütezeit liegt im Spätherbst. Einige Stevia Pflanzen blühen auch im Winter, allerdings setzen diese Spätblüher kaum Samen an.

Damit die selbststerilen Stevia Blüten, die sich nicht selbst bestäuben können, überhaupt Samen hervor bringen, brauchen sie unter natürlichen Bedingungen den Wind. Der trägt die Pollen von einer Pflanze zu anderen und befördert so die geschlechtliche Vermehrung.

Stevia Samenbildung

Die Stevia Samen entwickeln sich in Samenkelchen, aus denen sie nach dem Reifungsprozess leicht heraus fallen. Wenn die Lichtverhältnisse es zulassen und wenn der Untergrund feucht genug ist, keimen sie sofort. Stevia Rebaudiana ist ein sogenannter Lichtkeimer, das heißt, der Embryo im Inneren der Samenschale braucht einen Lichtreiz, um sein morphogenetisches Programm, das auf 22 Chromosomen gespeichert ist, aufzurufen. Deshalb dürfen Stevia Samen, die im Gewächshaus, im Garten oder auf dem Balkon keimen sollen, auch nicht allzu hoch mit Erde oder Sand bedeckt werden.

Die Keimrate liegt mit 13 bis 15% allerdings auch unter günstigen Bedingungen nicht allzu hoch. Viele Stevia Liebhaber machen es sich deshalb lieber einfach und gehen eine Stevia Pflanze kaufen – oder greifen auf die vegetative Vermehrung zurück, die dem „süßen Honigblatt“ in seiner Heimat im Winter das Überleben und bei fehlender Windbestäubung die Ausbreitung garantiert.

Stevia Zucht und vegetative Vermehrung

Vegetativ – also ungeschlechtlich – lässt sich Stevia über die Triebknospen („Augen“) des Wurzelstockes vermehren. Bis zu 20 Pflanzen lassen sich auf diese Weise aus einer Mutterpflanze gewinnen. Eine andere Form der ungeschlechtlichen Vermehrung kommt gelegentlich auch in freier Natur vor. Wenn zum Beispiel ein Stein oder ein größeres Holzstück so auf die Pflanze fällt, dass einer der äußeren Zweige dauerhaft in den Boden gedrückt wird, entwickelt sich an dieser Stelle ebenfalls ein neuer Trieb. Gut sortierte Gärtnereien und private Züchter, bei denen man eine Stevia Pflanze kaufen kann, haben entsprechend verschiedene Möglichkeiten, ihr süßes Handelsgut zu vermehren.

Infografik über die Stevia Pflanze

 

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